Cover – Prolog - Die Trümmer atmen noch
CHRONIKEN - Der Kaskadeneffekt 2030-2035

Prolog - Die Trümmer atmen noch

Am 1. Januar 2030 gibt es noch Menschen, die an eine Erholung glauben. An eine Korrektur. An ein „Zurück zur Normalität". Sie klammern sich an Konjunkturprognosen, an politische Versprechen, an die historische Erfahrung, dass Krisen kommen und gehen – dass nach jedem Tal ein Aufschwung folgt. Sie irren.

Was in der ersten Epoche als Schock begonnen hat – die Einführung marktreifer AGI, die Automatisierungswelle, die Massenentlassungen, die Rotterdam-Riots, der US Trucker Shutdown, die Gründung der IMA in Manchester –, hat die alte Ordnung angebrochen. Aber nicht zerbrochen. Nicht vollständig. Die Institutionen stehen noch, wenn auch wankend. Die Sozialsysteme funktionieren noch, wenn auch unter Überlast. Die Währungen halten noch, wenn auch mit Zittern.

Die zweite Epoche wird all das beenden.

Nicht durch einen einzelnen Schlag. Nicht durch ein apokalyptisches Ereignis. Sondern durch eine Kaskade – eine Kettenreaktion aus wirtschaftlichem Zerfall, sozialem Zusammenbruch und institutioneller Erosion, bei der jeder fallende Dominostein den nächsten mitreißt. Der Konsumkollaps frisst die Steuereinnahmen. Die Steuereinnahmen finanzieren keine Sozialsysteme mehr. Die kollabierten Sozialsysteme erzeugen Massenelend. Das Massenelend zerstört den verbliebenen Konsum. Und der Kreislauf beginnt von vorn – schneller, tiefer, unerbittlicher.

Am Ende dieser fünf Jahre wird es keine alte Welt mehr geben, in die man zurückkehren könnte. Nur eine neue, deren Konturen sich aus dem Staub erheben – fremd, gespalten und erbarmungslos.

#dystopie #KI